Junkernhof: Rettung vor dem Zusammenbruch
Er duckt sich bereits, als schäme er sich seines Zustandes, und lässt Bäume und Büsche immer höher wuchern. Sie sollen verdecken, dass es ihm dreckig geht. Womöglich gibt er bald auf und bricht zusammen. Dabei ist er wegen seiner alten Schönheit einst geadelt worden – als Denkmal, offiziell gelistet vom Kreis Nordfriesland. Dort heißt es, der Haubarg Junkernhof ist ein „eingeschossiger Walmdachbau mit Wohnflügel und Wirtschaftsteil“, der von einem Spitzgiebel gekrönt wird. Markant ebenso das Lootor, die Backsteinfassade und das Reetdach.
Foto: Birger Bahlo
Im Kern stamme das Gebäude aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Es liegt direkt an der Bundesstraße 202 in der Mitte zwischen Kotzenbüll und Katharinenheerd – auf einer Warft, die ebenfalls unter Schutz steht. Der Haubarg präge die Kulturlandschaft und sei geschichtlich und für die Wissenschaft bedeutend.
So ein beeindruckendes Zeugnis stellen die professionellen Denkmalschützer dem Gebäude aus, doch seit Jahren verhallen Notrufe der ehrenamtlichen Denkmalschützer. Der „Maueranker“, das Magazin der Interessengemeinschaft (IG) Baupflege Nordfriesland und Dithmarschen, zeigt in seiner neuesten Ausgabe auf der gesamten Titelseite Fotos von dem Haubarg. Sie dokumentieren deutlich die teils schweren Schäden, trotzdem mutet alles eher wie ein Dornröschenschlaf an. Die Bildaussage: Es kann zurück ins Leben finden.
Aber geweckt werden muss es jetzt, sonst verschwindet der Haubarg eines Tages für immer von dieser Welt. Hans-Georg Hostrups Weckruf im „Maueranker“ ist eindeutig. Der Vorsitzende der IG Baupflege: „Seit mehr als zehn Jahren wird der denkmalgeschützte Haubarg Junkernhof seinem Schicksal überlassen. Weder Eigentümer noch Behörden kümmern sich um den Erhalt dieses klassischen Vier-Ständer-Haubargs.“
Hostrup zählt auf, was seiner Ansicht nach eiligst getan werden muss. Zuallererst müsste das Dach geschlossen werden, damit die Balken nicht etwa verrotten. Das käme einem Todesurteil gleich. Helfen könnten Dachbleche, die an den schlimmsten Stellen ins Reet eingeschoben werden könnten.
Auch die Fensteröffnungen müssten notdürftig geschlossen werden und eine Tür im hinteren Bereich. Weiter geht es rund ums Haus. Da gelte es, die Bäume zu beschneiden, damit Luft ans Haus rankommt und es abtrocknen kann. Am Mauerwerk müssen Steine ausgewechselt und Fugen erneuert werden, insgesamt sei die Fassade aber zu retten. Kosten für diese dringenden Maßnahmen beziffert er auf einen „fünfstelligen Betrag im unteren Bereich“
Das sei das, was auf den ersten Blick geschehen müsse. Es handele sich nicht etwa um ein Sanierungskonzept, sondern allein um Erste Hilfe.
Das kann und will nun nicht etwa die IG Baupflege schultern, zumal sie vor Jahren ähnliche Sicherungsmaßnahmen geleistet hatte. „Mittlerweile sind die Grenzen des Zumutbaren erreicht, hier kann nur noch behördlicher Einsatz helfen.“ Hostrup hat keinen Kontakt zum Eigentümer, um diese Pläne besprechen zu können.
Der Eider-Kurier bot dem Eigentümer eine Stellungnahme an, doch er hat sich nicht gemeldet. Dass Handlungsbedarf ist, meldet der Hund des Nachbarn von gegenüber. Wenn der bellt, weiß Herrchen, dass drüben wieder unangemeldete Besucher durch den Junkernhof laufen. Gelegentlich sollen sie schon Sachen aus dem Haus mitgenommen haben.