Fest des Gardinger Boßelvereins

Die Einlader sind unterwegs

Mit dem Einladerbuch und Flyern in der Hand ziehen sie von Haus zu Haus. Den gesamten Januar über bis in den Februar hinein sind Elke Katryniak und Bärbel Grehm sowie drei weitere Einlader-Paare in Garding und Kirchspiel Garding unterwegs, um einzuladen und Spenden zu sammeln für den Boßelball ihres Vereins, der gar kein Verein ist, sich aber der Einfachheit halber trotzdem so nennt.

Zwei Personen in Winterjacken und Mützen vor einer Haustür mit Briefkasten

Elke Katryniak und Bärbel Grehm. | Foto: Pauls

Es gibt ihn bereits seit 1899 und er trägt den etwas sperrigen Namen Manns- und Fruunsboßelvereen von Schambüllsenn, Gaarn Geest und Leegesee. Mitglied wird man sozusagen automatisch, sobald man im Einzugsgebiet Garding/ Kirchspiel Garding wohnt. „Geboßelt wird nur zum Spaß“, erklärt Elke Katryniak, „eigentlich sind wir eher ein Fastnachtsverein.“ Im Herbst eines jeden Jahres gibt es die Jahreshauptversammlung, bei der der bevorstehende Ball besprochen wird. Dieser findet jeweils am Sonnabend vor Rosenmontag statt. Je nachdem wie der fällt, sind es also vier bis sechs arbeitsreiche Wochen für die Einlader und das Festkomitee, die Anfang Januar mit der Organisation und dem Einladen beginnen.

In diesem Jahr findet der Ball am Sonnabend, 14. Februar statt und startet traditionell mit einem Umzug durch die Stadt. Einst wurde dabei auch geboßelt, darauf verzichten die Mitglieder heutzutage weitgehend und begnügen sich mit den unterwegs am Straßenrand angebotenen Leckereien in fester oder flüssiger Form. Treffen für den diesjährigen Umzug ist um 13.30 Uhr am Feuerwehrgerätehaus, von dort geht es mit dem geschmückten Trecker und Musik entgegen der Einbahnstraße auf die Tönninger Straße bis zur Tankstelle, weiter durch die Süderstraße zum Edeka Parkplatz, von da durch die Fischerstraße zum Markt, wo eine Runde um die Kirche gedreht wird.  Anschließend bewegt sich der Umzug durch die Norderstraße zum Norderring und schließlich über Lüch op und den Graureiherweg zur Dreilandenhalle. Dort gibt es für die Teilnehmer Kaffee und Kuchen sowie ein kleines Unterhaltungsprogramm. Wer sich während des Umzugs schlecht benommen hat, muss eine Strafe zahlen, wer sich zu ordentlich verhalten hat, allerdings auch. Ab 20 Uhr kann dann das Tanzbein geschwungen werden– natürlich in Schapptüch. Auch beim Ball dürfen sich die Gäste auf ein buntes Unterhaltungsprogramm freuen, unter anderen hat die Mädchentanzgruppe des TuS Tating einen Auftritt.

„Der Ball wird aus den Spenden finanziert, die gesammelt werden“, berichtet Bärbel Grehm, „das war schon immer so.“ Am Abend steht zusätzlich ein Sparschwein bereit für diejenigen, die die Einlader nicht persönlich angetroffen haben und für die, die nicht in Garding wohnen. „Jeder ist willkommen“, sagen die beiden Frauen. Ursprünglich wurde der Ball für die veranstaltet, die sich das normalerweise nicht leisten konnten. „In Schambüllsenn lebten früher Menschen, die arm waren und sich dessen schämten. Einmal im Jahr sollten auch sie feiern können“, erklärt Elke Katryniak.

Seit fast 50 Jahren lebt Elke Katryniak (68) in Garding und ist seit 22 Jahren Vorsitzende des Vereins. Bärbel Grehm (73) ist seit Anfang der 80er Jahre in Garding zu Hause und ebenfalls seit vielen Jahren im Verein aktiv. Die Tradition zu erhalten ist beiden wichtig. Im fünften Jahr sind sie nun schon als Einlader-Pärchen unterwegs. Sie haben Spaß daran und lassen sich selbst von Regen und Glatteis nicht davon abhalten, die über 100 Haushalte auf ihrer Liste zu besuchen und die Gardinger mit ihrem selbst gereimten Einlader-Spruch zum Ball zu bitten.