Hackathon an der TSS Husum

Schüler denken Schule neu

Zwei Tage lang herrschte Ausnahmezustand an der Theodor-Storm-Schule in Husum. Statt regulärem Unterricht bestimmten Skizzen, Modelle und intensive Diskussionen den Schulalltag. Beim zweitägigen Hackathon machten sich 930 Schülerinnen und Schüler gemeinsam auf die Suche nach Antworten auf eine zentrale Frage: Wie kann unsere Schule ein besserer Ort zum Lernen werden? Und noch spannender wird sein: Welche Ideen schaffen tatsächlich den Sprung in den Schulalltag?

Vier Jugendliche sitzen und stehen vor einer Tafel mit handgeschriebenen Texten, eine Person hält ein Tablet mit einem grafischen Muster

Schüler präsentieren ihren Entwurf von einem kombinierten Kunst- und Werkraum mit 3D-Drucker. | Foto: Baßin

Manuel Dycker geht in die Hocke, betrachtet das Modell auf Augenhöhe. „Wenn ihr hier eine Dachterrasse wollt, müsst ihr die Statik mitdenken“, sagt der Architekt und tippt auf das Pappgebäude. Die Schülerinnen nicken, machen sich Notizen. Daneben wartet schon die nächste Gruppe. In der Theodor-Storm-Schule findet an diesem Tag kein regulärer Unterricht statt – hier wird diskutiert, gerechnet und geprüft.

Zwei Tage lang haben sich alle 930 Schülerinnen und Schüler des Husumer Gymnasiums in einen Denkraum verwandelt. Hackathon nennt sich das Format, das sonst aus der Digitalwirtschaft bekannt ist. An der TSS wird daraus ein Experiment für die Schule von morgen. „Wir wollten nicht nur meckern“, sagt ein Zehntklässler. „Sondern Lösungen präsentieren, die realistisch sind.“

Ideen sollen keine bloßen Wunschträume bleiben

Dafür sorgen während des Hackathons mehrere Architekten. Sie schauen sich Modelle an, stellen kritische Fragen, sprechen über Flächen, Materialien und Kosten. Ideen werden verworfen, andere geschärft. „Man merkt sofort, wenn etwas nicht umsetzbar ist“, sagt eine Schülerin. „Aber genau das hilft uns weiter.“

Inhaltlich vorbereitet wurde der Hackathon von Thomas Schmidt aus Berlin, einem Experten für innovative Schulentwicklungsprozesse. Bereits im Vorfeld hatte er die Schule in Videokonferenzen begleitet, Impulse gegeben und den Blick dafür geschärft, wie Beteiligung gelingen kann. „Wenn junge Menschen merken, dass ihre Ideen ernst genommen werden, übernehmen sie Verantwortung“, sagt Schmidt. Auch während der Projekttage steht er in Husum beratend zur Seite.

Die Schule platzt aus allen Nähten, das Mobiliar ist verschlissen

Die Themen, die die Jugendlichen bewegen, sind konkret: Die Schule platzt aus allen Nähten, es gibt keine Ruhezonen, viele Räume sind veraltet, das Mobiliar verschlissen. Besonders deutlich wird das an den Toiletten. „Das ist kein Ort, an dem man sich wohlfühlt“, sagt eine Schülerin offen. Es geht um mehr als Sanitärobjekte – es geht um Wertschätzung.

Ein Hackathon ist ein zeitlich begrenztes Arbeitsformat, das ursprünglich aus der Digital- und Start-up-Szene stammt. Teilnehmende entwickeln innerhalb kurzer Zeit gemeinsam Lösungen für konkrete Probleme.
Im schulischen Kontext bedeutet das: Schülerinnen und Schüler arbeiten klassen- und jahrgangsübergreifend an Fragestellungen rund um Schule und Lernen. Unterstützt von Lehrkräften und externen Experten entstehen Ideen, Modelle und Konzepte, die am Ende präsentiert und diskutiert werden. Ziel ist Beteiligung, Kreativität – und konkrete Umsetzbarkeit.

Beim Rundgang durch die Eingangshalle am zweiten Tag wird deutlich, wie ernst es die Jugendlichen meinen: An Stellwänden hängen Entwürfe für flexible Lernlandschaften, Rückzugsorte für konzentriertes Arbeiten, Bewegungszonen und Kreativräume. Modelle aus Pappe zeigen moderne Klassenzimmer, Chill-und Ruhe-Bereiche.

Verantwortung spiegelt sich auch im Positionspapier wider, das am Ende des Hackathons Husums Bürgermeister Martin Kindl überreicht wird. Darin formuliert die Schülerschaft nicht nur klare Forderungen an Politik und Stadt, sondern auch ein eigenes Versprechen: Einsatz, Offenheit für Feedback, respektvolles Miteinander. „Wir erwarten nicht, dass morgen alles anders ist“, sagt ein Schüler. „Aber wir wollen, dass etwas anfängt.“ Der Bürgermeister hört zu, stellt Fragen, nimmt das Papier entgegen. Die Hoffnung der Jugendlichen ist spürbar. „Es geht nicht darum, dass Erwachsene alles für uns entscheiden“, sagt eine Schülerin. „Wir wollen mitreden – weil es unsere Schule ist.“

Am Ende des Hackathons präsentieren die Gruppen ihre Ergebnisse Gästen aus Politik, Gesellschaft und Elternschaft. Nun liegt der Ball bei der Politik, zu entscheiden, welche Vorschläge realisierbar sind. Die Schülerinnen und Schüler haben ihre Hausaufgaben gemacht.

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