„Krabbenpulen“ in Tönning: Tierrechtler fordern Absage der Stadtmeisterschaft
PETA weist auf das Leid der Tiere hin und fordert Absage der Stadtmeisterschaft.
Foto: Sommer/EK
Tiere zerstückeln als Spaß-Event: Zwischen Juli und Oktober lädt eine Veranstaltungsreihe im Tönninger Packhaus Besucher dazu ein, mittwochs das „Krabbenpulen“ zu erlernen. Anschließend werden die Tiere gegessen. Den Abschluss bildet eine Stadtmeisterschaft im „Krabbenpulen“ am 2. Oktober. Die laut eigenen Angaben größte Tierrechtsorganisation Deutschlands PETA weist auf das Leid hin, das Nordseegarnelen erfahren, wenn sie aus dem Meer gezogen und getötet werden. Die Tiere werden mit Schleppnetzen eingefangen, dabei verletzt, zerquetscht und anschließend bei lebendigem Leib gekocht. PETA hat sich daher vergangene Woche schriftlich an die Bürgermeisterin der Stadt Tönning, Dorothe Klömmer, gewandt und gefordert, dass die Veranstaltung abgesagt wird.
„Heute wissen wir, dass auch kleine Krebstiere wie Garnelen Angst und Schmerzen empfinden“, so Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Wassertiere bei PETA. „Die Stadt Tönning hat nun die Chance, ein starkes Zeichen für mehr Mitgefühl für Meerestiere zu setzen, indem sie die Stadtmeisterschaft absagt oder durch ein tierfreundliches Event ersetzt. Beispielsweise könnten die Bürger gemeinsam Müll am Strand einsammeln und hinterher zusammen vegane ‚Vischbrötchen’ essen.“
Auch Krebstiere empfinden Schmerzen
Garnelen sind keine empfindungslosen „Meeresfrüchte“, sondern fühlende und schmerzempfindliche Tiere. Sie verfügen über ein Strickleiternervensystem und sogenannte Nozizeptoren – Rezeptoren zur Wahrnehmung von Schmerzen. Die renommierte London School of Economics and Political Science (LSE) wertete über 300 wissenschaftliche Studien aus. Sie kam in einem Gutachten zu dem Schluss, dass Zehnfußkrebse – darunter Garnelen, Hummer, Taschen- und Flusskrebse – Schmerzen empfinden können. In den Studien zeigten die Tiere unter anderem Fluchtverhalten, rieben wunde Körperstellen und reagierten positiv auf Schmerzmittel. Einige Krebstiere lernten sogar, Elektroschocks in ihrer bevorzugten Höhle zu vermeiden, indem sie in eine andere umzogen – ein Hinweis auf bewusstes, lernbasiertes Verhalten und damit auf mehr als bloße Reflexe. Die Wissenschaftler der LSE betonen die Notwendigkeit, Zehnfußkrebse als empfindungsfähige Tiere anzuerkennen und fordern deren stärkeren gesetzlichen Schutz – sowohl in Großbritannien als auch in der EU. In einer im November 2024 veröffentlichten Studie beschreiben Forschende der Universität Göteborg erstmals, dass Krebstiere auf schmerzhafte Reize mit deutlichen neuronalen Reaktionen im Gehirn reagieren, was ebenfalls bestätigt, dass die Schmerzen wie bei Säugetieren im Gehirn verarbeitet werden. Eine französische Studie der Universität Bordeaux konnte nachweisen, dass Flusskrebse Angst wie wir Menschen empfinden und positiv auf dieselben angsthemmenden Medikamente reagieren.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen. Daneben wird auch zwischen verschiedenen Tierarten unterschieden: So empfinden viele Menschen Hunde und Katzen als Familienmitglieder und lehnen es ab, sie zu halten, auszubeuten und zu töten wie Schweine, Rinder oder Hühner. Trotzdem betrifft Speziesismus auch sogenannte Haustiere: Sie werden zur menschlichen Unterhaltung benutzt, oftmals unter tierschutzwidrigen Bedingungen (qual-)gezüchtet und wie Ware verkauft. Auch für Tierversuche werden sie missbraucht.
Pressemitteilung PETA