Bei Verstößen drohen Bußgelder

Schafe in Not – Deiche in Gefahr

Drei Behörden schlagen gemeinsam Alarm - und erwägen ein Verbot von Hunden.

EIn Schaft läuft auf einer Grünfläche

Foto: Stock

Selten haben in der Vergangenheit Behörden gemeinsam und so nachdrücklich Alarm geschlagen, wie aktuell der Deich- und Hauptsielverband Eiderstedt, der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) und das Amt Eiderstedt. Deren Sprecher sehen durch freilaufende Hunde Schafe und die Sicherheit der Deiche gefährdet. Sie erinnern daran, dass es in der Nähe von Landesschutzdeichen verboten ist, Hunde mitzuführen – es sei denn, die werden an kurzer Leine geführt. Erste Schäfer ziehen sogar schon Konsequenzen und lassen ihre Tiere nicht mehr auf dem Deich weiden. Und die Deichschützer überlegen bereits, ob sie den Deich komplett für Hunde sperren.

Sie nennen ein Beispiel, das ebenso für andere Regionen gilt. Auf dem Deichabschnitt entlang der Deichgrafenstraße in Olversum kommt es vermehrt zu Problemen durch freilaufende Hunde, die die dortigen Naturschutzflächen und die Weideflächen der Schafe beeinträchtigen. Die Probleme sind den Verantwortlichen schon länger ein Dorn im Auge. Nicht nur, dass ortsansässige und auswärtige Hundehalter ihre Tiere ohne Leine auf dem Deich frei laufen lassen, sondern auch dass Anwohner unbefugt Pforten in der Einzäunung sowie Übertritte errichtet haben.

Das hat gravierende Folgen: Die gehetzten Schafe sind gestresst und unruhig, was dazu führt, dass sie die Deichinnenflächen und Außenflächen meiden. Bereits jetzt ist sichtbar, dass die Beweidung nicht mehr ordnungsgemäß erfolgt, was zu Schädlingsbefall und in weiterer Folge auch zu Schäden am Deich führt. Zudem treten die Schafe den Deich nicht mehr fest, wodurch dessen Stabilität gefährdet ist und aufwendige

Pflege- und Sanierungsmaßnahmen erforderlich macht. Der Schäfer, der den Deichabschnitt gepachtet hat, äußerte bei der jüngsten Deichschau seine Verzweiflung: „Es reicht, es geht nicht mehr!“ Er lässt seine Schafe dort nicht mehr weiden.

Der Deich- und Hauptsielverband Eiderstedt (DHSV) greift nun zu drastischen Maßnahmen. Übertritte in den Zäunen werden entfernt, Klapppforten verschlossen und der Deich soll kontrolliert werden. Bei Verstößen drohen Bußgelder nach dem Landeswassergesetz, die im Wiederholungsfall sogar erhöht werden können. Sollte dieses Vorgehen keinen Erfolg zeigen, droht Jan Paul Bonse, Geschäftsführer beim DHSV, mit weiteren Konsequenzen. „Wenn das so weitergeht, müssen wir den Deich ganz für Hunde sperren“, so Bonse.

Der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN), der für den wehrhaften und sturmflutsicheren Zustand der Deiche zuständig ist, arbeitet eng mit den Schäfern zusammen. Aus Sicht des LKN sind die Nutztiere  unverzichtbar, weil erst mit dem Verbiss und Vertritt die Voraussetzung für kurze, dichte und widerstandsfähige Grasnarben geschaffen werden. „Wir sind bei der Deichpflege auf die Schäfereien und ihre Herden, die ein wichtiger Baustein der Deichsicherheit sind, angewiesen“, sagt Wolf Paarmann, Pressesprecher des LKN. „Deshalb betrachten wir die aktuelle Entwicklung mit großer Sorge. Olversum ist dabei landesweit leider kein Einzelfall.“

Die Verantwortlichen bitten daher alle Hundehalter, ihre Tiere an die Leine zu nehmen und weidende Schafe nicht zu stören. Des weiteren werden Spaziergänger sowie Anwohner dringend gebeten, die bestehenden Zäune sowie Pforten zu respektieren, um die Sicherheit und den Schutz der Natur sowie der Deichanlagen zu gewährleisten.

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