EK-Serie IM GESPRÄCH

Tönnings Bürgerin des Jahres: Gisela Mester-Römmer

Mehr als 20 Jahre stand Gisela Mester-Römmer im Mittelpunkt. Als Pastorin der St. Laurentius-Kirchengemeinde predigte sie und begleitete die Menschen auf vielfältige Weise. Zwar ging die 70-Jährige vor sieben Jahren in den Ruhestand, wirkt aber noch immer – ob beim Radio, als Stadtführerin oder Autorin stadtgeschichtlicher Texte. Beim Neujahrsempfang von Stadt und Kirche wurde Gisela Mester-Römmer nun „Bürgerin des Jahres“. Mit ihr sprach Eider-Kurier-Herausgeber Torsten Beetz über ein überzeugendes Telefonat, dass dieser Auszeichnung voranging sowie über die Auswirkungen von zu viel Sekt bei Neujahrsempfängen.

Person mit rotem Mantel und grün gemustertem Schal steht an einem gepflasterten Ufer mit Wasser und Gebäuden im Hintergrund

Ist Pastorin in Ruhestand und nun auch Tönninger Bürgerin des Jahres: Gisela Mester-Römmer. | Foto: Torsten Beetz

Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

Natürlich freue ich mich. Aber es war nie mein Ziel, „Bürgerin des Jahres“ zu werden. Mir liegt viel daran, in unserer über sichtlichen Stadt ein gutes Miteinander zu haben. Dazu wollte und will ich immer beitragen. Unbeirrt solidarisch leben. An sprechbar sein. Hilfsbereit sein. Aufmerksam für andere.

Am Rathaus befindet sich eine Tafel mit den Namen aller Bürger des Jahres. Haben Sie damit gerechnet, dass Sie auch einmal Ihren Namen dort lesen werden?

Nee. Wie käme ich dazu. Wie sind Sie davon in Kenntnis gesetzt worden? Bürgervorsteher Jens Binder rief mich an. Er sagte seinen Namen – und ich ahnte gleich, worum es ging und sagte erstmal: auf keinen Fall! Er hat sich dann sehr viel Zeit genommen und mir klug und freundlich geholfen, diese Entscheidung des Nominierungsausschusses und der Stadtvertretung gern anzunehmen. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Obwohl ich beruflich immer „vorne“ gestanden hab – außerhalb von Kirchräumen liegt mir das nicht so.

Ihrer Initiative ist es zu verdanken, dass Kirche und Stadt gemeinsam einen Neujahrsempfang veranstalten. Was war der Anlass?

Ich halte es für ganz wichtig, im Jahreskreis „Anlässe“ zur Begegnung zu schaffen. Für alle. Der Neujahrsempfang, das Feierabendmahl, das Sonntagsfest im Multimar, die Nacht der Kirchen. Wir haben 1998 damit begonnen; zuerst war es eine Veranstaltung der Kirchengemeinde – und es gab eine zähe „Gewöhnungsphase“. Der zweite Neujahrsempfang war niederschmetternd schlecht
besucht und wir, der harte Kern, waren sehr betrübt und versuchten, uns mit den reichlich vorhandenen Sektvorräten (Wir hatten ja mit vielen Gästen gerechnet!) aufzumuntern. Ich erinnere mich, dass ich danach den ganzen Nachmittag auf dem Sofa liegen musste. Dann nahm die Sache Fahrt auf und seit der Neujahrsempfang die gemeinsame Sache mit der Stadt Tönning wurde, wurde auch alles sehr gut. Das Sofa war nie wieder nötig.

Rückblickend hat es sich also gelohnt?

Ja, unbedingt. Ganz wunderbar, dass wir einander begegnen, am Anfang des Jahres.

Im Ruhestand engagieren Sie sich weiterhin für die Eider-Stadt, z.B. als Stadtführerin. Wie sind Sie dazu gekommen?

Stadtführungen wollte ich im mer schon machen, ich hatte ja vor der Pensionierung die Kirchenführungen, die dann in die Stadtführung übergingen. Der Kontakt mit Gästen hat mir gefallen. Es gibt immer etwas zu lernen, zu hören, weiterzuspinnen, zu entwickeln. Ich mag Neues. Stadtführungen sind eine ungemein schöne, bereichernde Erfahrung. In allergrößter Freiheit kann ich erzählen, was ich mag und weiß. Dazu gehört auch mal ein Tänzchen im Schlossgarten „Wenn hier een Putt mit Bohnen steiht un dor een Putt mit Brie…“. Alle kriegen sofort gute Laune.

Sie sprechen Plattdeutsch. Ihre Stimme ist in Radioandachten zu hören. Bieten Sie auch plattdeutsche Stadtführungen an?

Im letzten Jahr habe ich eine plattdeutsche Stadtführung angeboten, das wurde sehr gut angenommen und war herrlich vielfältig: schwyzerdütsch und platt… Ich hoffe, dass wir dies in diesem Jahr fortsetzen.

Was macht Tönning so besonders?

Es ist bei uns übersichtlich. Das historische Stadtbild ist unser größter Schatz. Unweigerlich treffen wir einander und tauschen uns aus. Nichts ist unwichtig.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten, eine Bürgerin oder einen Bürger des Jahres zu bestimmen. Fällt Ihnen da spontan eine Tönningerin oder ein Tönninger ein?

Ja, klar, es fallen mir viele Bürgerinnen und Bürger aus unserer Stadt ein. Ich habe in den vergangenen Jahren den einen oder die andere ja selbst vorgeschlagen. Aber ich weiß auch von einigen, dass sie es nicht möchten.

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